Historie

"Markt 8" - Ein Gebäude mit Geschichte

Es ist üblich, dass sich Gaststätten im Zentrum eines Ortes ansiedeln. So auch in Glauchau. Überlieferungen zeigen, es gab zwei obere und einen unteren Gasthof am Markt. Die Gasthäuser am oberen Markt befanden sich auf den Grundstücken des heutigen Markt 8 und 9.

  • 1643 Bürgermeister Daniel Engelmann war Gastwirt im Gasthof Markt 9.
  • 1705 wird dieser Gasthof als „Goldener Engel" erwähnt. Der Besitzer war Friedrich Weiße. 1717 geht der „Goldener Engel" in Konkurs. Ursache dafür war vermutlich der Brand 1712. Nachdem er wieder hergerichtet war, nannte man den Gasthof „Blauer Engel".
  • 1759  Ein weiterer Gasthof wurde am heutigen Markt 8 erstmals 1759 erwähnt. Er nannte sich „Zum weißen Roß" später auch „Hüttnerscher Gasthof" nach seinem Besitzer.
  • 1813 Beim Innenstadtbrand wurden die Häuser um den Markt weitgehend zerstört. Welche Gebäude im Einzelnen wie stark betroffen waren, ist nicht bekannt. Fest steht, dass das gesamte Areal wieder aufgebaut wurde.
  • 1819 Es gab im „Blauen Engel" eine Poststation. Der Postmeister, Johann Georg Götze, war gleichzeitig Wirt. Er legte beide Wirtschaften zusammen. Der Gaststättenbetrieb wurde nur noch im Markt 8 unter dem Namen „Deutsches Haus" weitergeführt.
  • 1945 Nach dem zweiten Weltkrieg bezogen für kurze Zeit amerikanische Truppen Quartier im „Deutschen Haus". Später wurde Hotel und Gastwirschaft noch weiterbetrieben. Am 31.05.1969 erlosch die Gewerbeerlaubnis für das Haus.
  • 1972 Nach kleineren Umbaumaßnahmen nahm die Kommunale Wohnungsverwaltung der Stadt das „Deutsche Haus" als Verwaltungsgebäude in Besitz. In den 90er Jahren entsprach das Haus nicht mehr den veränderten Anforderungen eines modernen Verwaltungsgebäudes. Das Nachfolgeunternehmen, die Stadtbau und Wohnungsverwaltung Glauchau GmbH, suchte sich im neu errichteten Rathaus eine modernere Bleibe.
  • 2009 Die Städtische Altenheim gGmbH erwirbt den Gebäudekomplex und beginnt mit der Planung des ehrgeizigen Projekts.
  • 2011 Fertigstellung und Inbetriebnahme

 

Der Inhalt der Zeitschiene basiert auf den umfangreichen Recherchen von Herrn Rolf Scheurer. Wir bedanken uns für seine engagierte Mitarbeit.

Was war früher im Glauchauer "Schulplatz 1"?

 

Auf dem zum Schulplatz gelegenen Teil des Grundstückes gedieh während der Jahre 1867 und 1868 der Bau der „Königlich Sächsischen Post", so dass am 9. Juni 1868 das Amt vom Plan 7, wo es vorübergehend untergebracht war, in das neue Gebäude einziehen konnte.

Dazu findet sich im Tageblatt mit Anzeiger vom 26. Juni 1868

BEKANNTMACHUNG

Wegen des Umzuges in das neuerbaute Postgebäude wird am Sonntag, dem 28. Juni, der Verkehr mit dem Publikum um 4 Uhr nachmittags dergestalt geschlossen, daß nur noch die Anmeldung von Reisenden zu der um 7 Uhr abends abgehenden Personenpost nach Penig noch im jetzigen interimistischen Locale erfolgt. Vom 29. Juni c. an wird sich sodann das Postamt im neuen Postgebäude befinden.

Glauchau, 26. Juni 1868 Königliches Postamt
Kreßner

Es ließ sich kein Vermerk feststellen, ob in irgendeiner Form eine Einweihung des Gebäudes stattgefunden hat. Zur Sicherung des Durchgangs vom Markt zum Postamt ergaben sich noch langwierige Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung und der Postbehörde. Zur Passage des Postgrundstückes durch Fußgänger wurde im Sommer die Zeit von 6 bis 10 Uhr abends und bis 9 Uhr im Winter festgelegt.

Nach der Reichsgründung zeichnete die Reichspostverwaltung als Besitzer des Post- und Telegraphenamtes. 1876 waren in diesen Ämtern 32 bzw. 6 Personen beschäftigt. Ab 1892 erscheint für diese Dienststelle die Bezeichnung „Post-, Telegraphen- und Telephonamt".

Offenbar stellte sich aber bald heraus, dass der Ort für das Postamt nicht günstig gewählt war. 1889 erfolgten Abwägungen darüber, ob an der Hoffnung oder an der Leipziger Straße ein besserer Standort zu finden sei. Das wurde positiv entschieden und die Verwirklichung dann zügig in Angriff genommen.

Nachdem am 8. Dezember 1893 das stattliche Postamtsgebäude an der Leipziger Straße fertiggestellt war, mussten für das eigentlich noch gar nicht „alte Postgebäude" am Schulplatz neue Aufgaben gefunden werden. Die Stadt Glauchau hatte mittlerweile Grundstück und Gebäude nach längeren Verhandlungen günstig erworben. Die frühere Packkammer erhielt die für diese Zeit äußerst fortschrittliche Aufgabe, die darin bestand, dass dort eine Haushaltungsschule eingerichtet wurde. Diese nach dem Muster der Stadt Chemnitz geschaffene Einrichtung war die vierte dieser Art in Sachsen. 10 Kochherde und die zugehörigen Geräte und Einrichtungen standen jeweils 40 Mädchen zur Verfügung. Der Rauchabzug war unterirdisch verlegt. Die Einweihung der nach der sächsischen Königin „Carolaschule" genannte Institution erfolgte am 1. Mai des Jahres 1895. Nach Ostern 1919 wurde der Haushaltungsunterricht in die Fortbildungsschule einbezogen. Die Schule blieb in diesen Räumen, bis sie 1929 in das ehemalige Mannschaftshaus 2 der Kaserne an der Feldstraße verlegt wurde.

Im Haupthaus Schulplatz wurde eine Reichsbank-Nebenstelle errichtet. In weiteren Räumen fand Handfertigkeitsunterricht statt. Von 1908 an weisen die Adressbücher aus, dass der 1. Stock zu Wohnungen umfunktioniert worden war. Zunächst wohnte dort der Stadtbaumeister Köhler, später u.a. der Stadtrechnungsrat Keil. Als Nutzer der Geschäftsräume im unteren Stockwerk werden 1911 der Sächsische Militärvereinsbund und der Verein der Reichstreuen angegeben. 1914 mietete die Glauchauer Bank das Haus und baute es für ihre Zwecke um.

1929 ging das Grundstück in den Besitz der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über. Die gegenwärtig bestehende Beschriftung erinnert noch an die langjährige Nutzung als Arbeitsamt.

Die umfangreichen Recherchen stammen von Herrn Rolf Scheurer. Wir bedanken uns für seine engagierte Mitarbeit.

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